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Reiseland Kambodscha

Kambodscha, mitten auf der südostasiatischen Halbinsel gelegen, ist seit Langem ein Reiseziel für kulturell interessierte Europäer gewesen. Dieses Land darf auf keiner Rundreise durch diese Region fehlen. Auch wenn die meisten Touristen dieses Land wegen der Überreste der alten Khmer besuchen, so sollten sich auch diejenigen Besucher, die nur wenig Interesse an den alten Khmer-Tempeln aufbringen können, nicht abschrecken lassen. Denn Kambodscha ist natürlich mehr als nur ein Khmer-Museum. Es ist vielmehr ein Land, das im 20. Jahrhundert viel gelitten hat, erst durch die Japaner im Zweiten Weltkrieg, dann in den Unabhängigkeitskämpfen von den Franzosen und dem Vietnamkrieg, schließlich durch den Steinzeitkommunismus der Roten Khmer unter Pol Pot. Lange Zeit hat sich dieses Land von den Folgen dieses Regimes erholen müssen. Auch heute sieht man noch überall diese Folgen.

Die meisten Besucher kommen aber, um sich Angkor anzusehen, die Tempelanlage nördlich der Stadt Siem Reap. Kambodscha ist schwierig zu erreichen, denn man muss in Saigon umsteigen. Von hier aus kann man nun fliegen oder mit dem Bus fahren. Ich bevorzuge immer das Fahren, nicht wegen eventueller Flugangst, sondern weil man auf diese Weise mehr von dem Land sieht. Nur wenn ich es eilig habe, fliege ich. Von Saigon fahren täglich vormittags Busse nach Phom Penh und weiter nach Siem Reap. Diese Art zu reisen ist allerdings auch stressig, aber nicht unbequemer als in einem engen Flugzeugsitz! Man bekommt sofort Kontakt zu mitfahrenden Vietnamesen, Chinesen und anderen Touristen. Die Fahrt ist herrlich, man fährt zuerst nördlich zur Grenze bei Moc Bai. Hier kann es schon einmal etwas stressiger werden. Bei meinem Grenzübergang hatte ich das Gefühl, dass an dem Tag ganz Asien nach Kambodscha will. Ich musste zwei Stunden warten. Aber dies ist wirklich nur ein Ausnahmefall, auf der Rückfahrt, die ich ebenfalls per Bus machte, dauerte es nur knapp zwanzig Minuten.

Moc Bai, das auf kambodschanischer Seite dann Bavet heißt, ist ein ganz kleines Städtchen, das sich an der Straße orientiert. Überall wird gebaut. Die Vietnamesen investieren hier, es werden Kasinos und Hotels gebaut, die später wohlhabenderen Vietnamesen zum Vergnügen dienen sollen. Ich glaube, das gibt es aber fast überall. Man merkt aber schnell, dass sich die Häuser ändern. Kambodscha ist ein armes Land, sogar ärmer als Vietnam. Das sieht man sofort. Je tiefer man nach Kambodscha reinfährt, desto weniger werden die Häuser aus Stein und Beton. Natürlich gibt es die noch, aber daneben können zahlreiche Häuser aus Holzlatten und sogar aus Reisig. Das Leben der Khmer spielt sich draußen in der Öffentlichkeit ab. Vom Bus aus sieht man natürlich nur wenig bzw. kann wenig mit dem, was man sieht anfangen. Aber trotzdem fährt man durch eine fast schon unwirkliche Landschaft. Besonders beeindruckend ist die Fahrt mit der Fähre über den Mekong kurz vor Phnom Penh.

Kambodscha

Kambodscha ©iStockphoto/Ashley Whitworth

Kambodscha ist bis auf die Hauptstadt Phnom Penh und die Stadt Siem Reap fast noch unberührt. Außerhalb dieser Hochburgen ist es schwierig zurecht zu kommen, wenn man nicht Khmer spricht. Ein paar Brocken können hier übrigens schon helfen. Auch hier sollte man den mutigen Schritt wagen und auch einmal auf dem Lande übernachten. Wie überall in Südostasien gibt es Hotelzimmer und Guesthouse-Übernachtungen sehr schnell und preiswert zu finden.

Phnom Penh ist die Hauptstadt dieses Landes. Die Stadt unterscheidet sich total von dem, was man vorher erlebt hat. Auf den Straßen sieht man nicht mehr alte Laster und Motorräder, sondern Limousinen und große Autos. Die Bürger in Phnom Penh sind wohlhabend. Hier sitzt die politische und wirtschaftliche Elite des Landes. Große Häuser, prächtige Straßen, das macht Phnom Penh aus. Und natürlich das alte Phnom Penh: Der Königspalast und die Silberne Pagode. Diese Stadt ist zwar nicht so prächtig wie Bangkok, aber atemberaubend. Vor allem, wenn man am Mekong entlang spaziert und sich von der Geruhsamkeit des Flusses und der Menschen treiben lassen kann.

Wer weiter mit dem Bus nach Siem Reap will, muss hier umsteigen. Der Bus fährt von einem anderen Ort ab, aber man wird mit einem kleinen Minibus dorthin gebracht. Welch ein Service! Die restlichen fünf Stunden Fahrt nach Siem Reap (insgesamt sind es 11 Stunden) verbringe ich mit dem Beobachten der Landschaft. Es geht immer wieder durch kleine Ortschaften, die von endlosen Reisfeldern abgelöst werden. Ich war leider zur Trockenzeit in Kambodscha, so dass es wirklich staubig und verdorrt war. In der Regenzeit stehen dagegen ganze Landstriche unter Wasser.

Siem Reap ist eine hektische Stadt. Hier tummeln sich alle Abenteurer, die von überall her kommen, um Angkor zu sehen. Jene Tempelanlage, die als Weltkulturerbe jeden Menschen bezaubert. Man sollte morgens recht früh hinfahren. Man kann sich ein Ein-Tages-Ticket, ein Drei-Tage-Ticket oder ein Sieben-Tage-Ticket kaufen (soll aber geändert werden!). Morgens ist es noch recht ruhig. Man braucht auch viel Zeit, um sich Angkor Wat anzuschauen, den größten sakralen Bau der Welt. Es gibt so viele Räume und Bilder, so viele spannende Momente, die man sich anschauen kann. Auch der Sonnenaufgang über den Türmen ist unglaublich. Wenn man sich an Angkor Wat satt gesehen hat, kann man auf die „Kleine Rundtour“ gehen. Mit dem Rad, Auto, Motorrad oder dem Tuk-Tuk geht es die wichtigsten Tempel entlang. Man sieht Angkor Thom, die ehemalige Hauptstadt mit dem Bayon, dem wahrscheinlich schönsten Tempel der Khmer-Kunst, die ausgedehnte Fläche der ehemaligen Stadt, die mit zahlreichen Tempeln und Ruinen übersät ist. Es geht dann vorbei an den großen Tempeln außerhalb von Angkor Thom wie Ta Prohm und Ta Keo. Am nächsten Tag kann man die „Große Tour“ machen, bei der man den Rest der Tempelanlagen sich anschauen kann. Viele fahren dann auch weiter nach Banteay Srei, einem wahren Meisterwerk der Khmer knapp 40 Kilometer nördlich. Die Region um Siem Reap beherbergt über 300 große und kleine Tempel, so dass selbst die Sieben-Tage-Tour nicht ausreicht, um alles zu sehen. Auch außerhalb dieser Region warten zahlreiche Khmer-Anlagen wie Preah Vihear oder Beng Mealea auf den Besuch.

Auch wenn Kambodscha mit den Khmer verbunden wird. Man kann noch mehr sehen. Die Khmer haben natürlich dieses Land über Jahrhunderte geprägt und es gibt kaum andere Kunstschätze, aber auch die Landschaften sind wunderschön, warum keine Fahrt auf dem Tonle Sap machen, dem großen Rückstaubecken des Mekong. Oder eine Tour auf dem Mekong selber? Von Siem Reap kann man den Mekong flussabwärts nach Phom Penh fahren. Kambodscha wird sicher noch lange mit den Khmer verbunden bleiben. Aber trotzdem sollte man diesem Land einen Besuch abstatten.

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